Leseprobe Sachbuch


Evelin Voigt-Eggert

Freundinnen der Technik

Wie Frauen sich Berufsfelder mit Zukunft erschließen

 

Einleitung

[…] Viele eigene Erlebnisse und die zahllosen sich im Kreise drehenden Diskussionen um zu wenig weibliche Fachkräfte in technischen Berufen, haben mich zu diesem Buch animiert. Es möchte Frauen ein neues Selbstverständnis vermitteln. Es geht nicht um Forderungen nach mehr Quote, sondern um Erkenntnis und Dialog. Prinzipiell sind Frauen heute in allen Bereichen der Technik zu Hause. Die über Jahrhunderte existenten Denkblockaden und Verhaltensmuster sind größtenteils überwunden. Und doch: In der öffentlichen Wahrnehmung gelten erfolgreiche Frauen in technischen Berufen noch immer als Exotinnen. Ich habe einige dieser Frauen gefragt, warum sie sich für einen technischen Beruf entschieden haben, welche Widerstände sie überwinden mussten und mit welchen Schwierigkeiten sie sich im Arbeitsalltag auseinander setzen müssen.

»Der Mensch ist nichts anderes, als wozu er sich macht!«


Jean-Paul Sartre

Die entstandenen Porträts stellen jeweils den Werdegang der Frauen vor und beleuchten ein konkretes berufliches Ereignis oder Projekt näher. Die Porträts beantworten: Wie haben die Frauen fachliche und kommunikative Probleme gelöst? Wie sind sie an Aufgabenstellungen herangegangen? Was für Erfahrungen haben sie in der Zusammenarbeit mit Männern und Frauen gemacht? Das Buch zeigt beispielhaft, wie und wo Frauen in so genannten Männerdomänen erfolgreich arbeiten und beweist, dass Frauen und Männer zwar oftmals verschieden denken, aber nicht besser oder schlechter.

Dieses Buch ist kein Wegweiser zum Chefinnensessel, sondern ein Mutmacher zur Selbstverwirklichung. Nicht jede Karriere kann und muss an die Spitze führen, vielmehr sollte es darum gehen, durch den Einsatz des ganz persönlichen Talents sowohl für sich selbst als auch im gesamtgesellschaftlichen Interesse das Beste aus dem eigenen, meist über 45(!) Jahre währenden Berufsleben zu machen. Frauen müssen ihre Rechte einfordern und sollten sich der Verantwortung stellen, die eine berufliche Karriere nach sich zieht. Offenheit gegenüber neuen Optionen, Flexibilität und Freude an der Herausforderung sind Eigenschaften, die alle porträtierten Frauen auszeichnen. Ihre Lebenswege waren selten gerade. Es gab Höhen und Tiefen. Erfolg zeichnet sich dadurch aus, dass jemand mutig und selbstbewusst mit Niederlagen umgehen kann. Manchmal gilt es auch einfach durchzuhalten, um ein Ziel zu erreichen oder eine Qualifizierung zu erlangen, die wichtig für weitere persönliche Pläne ist. Niemand ist perfekt. Fehlbarkeit und Unsicherheiten sind menschlich und völlig normal. Ziel des Buches ist es, technikbegeisterte Frauen zu ermutigen, allen vorhandenen Widerständen zum Trotz ihre beruflichen Träume zu leben. Ich möchte Impulse geben, Hintergrundwissen liefern und gelegentlich auch zum Schmunzeln verleiten. […]

Die komplette Einleitung sowie das Inhaltsverzeichnis mit namentlicher Nennung aller porträtierten Frauen finden Sie in der Leseprobe der E-Book-Ausgabe im Internet. Es folgen kurze Ausschnitte ausgewählter Kapitel, die exklusiv hier lesbar sind.

Orakeln ohne Geheimnisse

Über Mut zum Individualismus und Leidenschaft für Datenbanken
Andrea Held, IT-Spezialistin

Kaum etwas hat unser Leben in den letzten Jahrzehnten so massiv und nachhaltig beeinflusst wie die Informationstechnologie. Das Medium dieser Wissenschaft ist der Computer in seiner schier unendlichen Vielfalt. Es ist unwahrscheinlich, dass der deutsche Ingenieur Konrad Zuse ahnte, welche Revolution er einleitete, als er 1936 den ersten Computer baute. Der war nicht mehr als eine programmgesteuerte Rechenmaschine. Allerdings die erste, die mit einem binären Zahlensystem arbeitet. Die erste vollelektronische Großrechenanlage der Welt wird 1946 in den USA gebaut. Der sogenannte ENIAC – die Abkürzung steht für »Electronic Numerial Integrator And Calculator« – war um den Faktor 1000 bis 2000 schneller als ein damals gebräuchlicher Relaisrechner. Programmiert wurde er mit 6000 Schaltern bzw. Kabelsteckverbindungen. Die Dateneingabe erfolgte über dekadische Drehschalter, auf denen die Ziffern 0–9 eingegeben wurden. Zuständig war eine Gruppe von Mathematikerinnen, die den Spitznamen »ENIAC-Girls« trut. Insgesamt umfasste der Rechner an die 70.000 Widerstände, 18.000 Elektronenröhren und 10.000 Kondensatoren. Sein Gewicht betrug 30 Tonnen und benötigte 140 qm Stellfläche. ENIAC hatte einen Stromverbrauch, der sich mit dem damaligen Verbrauch einer mittleren Kleinstadt vergleichen lässt. Dabei konnte er gerade einmal 5000 Berechnungen pro Sekunde durchführen. Das war damals revolutionär, heute ist das unvorstellbar langsam. Zum Vergleich: Die heute in herkömmlichen Notebooks üblichen 2,5 GHz Prozessoren schaffen fast 200 Mill. Operationen pro Sekunde. Die ENIACs der Neuzeit heißen Server. Sie sind um ein vielfaches schneller, kleiner, leichter und verbrauchen nur einen Bruchteil an Strom.

Leider haben die »ENIAC-Girls« nur wenige Spuren in der Computergeschichte hinterlassen. Frauen sind heute selten in der IT-Branche, aber es gibt sie. Darunter sind nicht nur exzellente Programmiererinnen, sondern auch hoch qualifizierte Spezialistinnen mit vorauseilend Respekt einflößendem Ruf. Über Andrea Held sagen Kollegen und Kunden, sie sei ein absoluter Technikfreak und eine Koryphäe für Datenbanksysteme. Das sind hochkomplexe Programme, die zumeist auf Servern laufen. Held selbst ist es inzwischen schon ein wenig unheimlich, mit wie viel Ehrfurcht ihr manchmal begegnet wird. […]

Den Dingen auf den Grund gehen

Über Lebens- und Karriereplanung, Sensortechnik und Ausdauer
Prof. Dr.-Ing. habil. Dagmar Schipanski, Dipl. Physikerin und Politikerin

Manche sehen in der Physik die Krone der Naturwissenschaften. Die Biologen mögen sich dagegen verwehren, die Chemiker hätten ohne sie ein schweres Los, und nirgends kommt der Mathematik zu so viel Ehre zu wie in der Physik. Sie ist letztendlich die Wissenschaft, welche die Welt erklärt. Kopernikus, Galilei, Newton, Kepler, Leibniz, Bernoulli, Joule, Helmholtz, Faraday, Ampère, Edison, Curie, Einstein, die Liste der vertrauten Namen ließe sich noch lange fortsetzen. Allesamt waren sie Physiker, von Erkenntnissucht Getriebene, Forscher auf der Suche nach Verbesserung des Lebens. Denn genau das ist die Physik auch. In ihrer angewandten Form stellt sie die Grundlagen allen technischen Fortschritts. Egal ob Licht, Radio, Fernsehen, Autofahren, Fliegen, Telekommunikation oder Computer, all die vertrauten, selbstverständlichen Dinge unseres Alltags haben ihren Ursprung in der Physik. Wer mit wachen Augen durch die Welt geht, neugierig unter die Oberfläche der Dinge schaut, kommt um die Physik nicht herum. Ihre lange Geschichte liest sich wie ein Krimi. Von dieser Wissenschaft geht eine Faszination aus, die vielen ob ihrer Komplexität und Schwierigkeit übergroßen Respekt einflößt oder aber zu einer Offenbarung werden kann.

Aufgewachsen in einem System, das den Zugang zu den Geisteswissenschaften so stark reglementiert, dass jedem wachen Geist die Lust darauf vergeht, wendet sich aus genau diesem Grunde Dagmar Schipanski, heute amtierende Präsidentin des Thüringer Landtags, nach ihrem Abitur den Naturwissenschaften zu und »verfällt« der Physik. Obwohl sie seit zehn Jahren nicht mehr im Labor steht, leuchten ihre Augen noch, wenn sie aus ihrer über dreißig Jahre währenden Zeit als Forscherin erzählt. Dagmar Schipanski wird 1943 in Thüringen geboren und bleibt ihrer Heimat immer verbunden. Der leibliche Vater, ein Pfarrer, fällt im Krieg, als sie gerade drei Monate alt ist. Die Mutter ist Lehrerin für Stenographie und Schreibmaschine. Sie heiratet in zweiter Ehe einen kaufmännischen Angestellten, der zur prägenden Vaterfigur für die Tochter wird. Bis zu ihrem siebten Lebensjahr wächst Dagmar Schipanski auf dem Bauernhof der Großeltern auf und verbringt später oft Ferien und Freizeit dort. Sie hilft in der Landwirtschaft, entwickelt ein vertrautes Verhältnis zu technischem Gerät und beginnt, den Reichtum der Natur zu schätzen. Zu Hause lernt sie Kochen, Putzen, Aufwaschen, Blumengießen und Geschwisterbetreuung. Der Vater qualifiziert sich über ein Fernstudium zum Ingenieur. Diese Ausbildung verfolgt Dagmar Schipanski aktiv mit. Als besonders prägend für ihre spätere berufliche Entwicklung empfindet sie allerdings den polytechnischen Unterricht in der Schule. […]

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Die komplette Einleitung sowie das Inhaltsverzeichnis mit namentlicher Nennung aller porträtierten Frauen finden Sie in der Leseprobe der E-Book-Ausgabe im Internet.

BuchCover-FdTFreundinnen der Technik

Wie Frauen sich Berufsfelder mit Zukunft erschließen
Evelin Voigt-Eggert

Buch Softcover, ISBN 978-3897412118

E-Book, ASIN: B00YESIBBO